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Potosi

27.09.2009 - Potosi


Von Sucre fahren wir direkt weiter in die nächste bedeutende Stadt Boliviens - Potosi (UNESCO-Weltkulturerbe). Potosi liegt auf 4065m Höhe und ist damit eine der höchstgelegenen Großstädte der Welt. Für uns ist es das erste Mal auf unserer Reise, dass wir die 4000er Marke überschreiten und so gönnen wir uns ein paar Tage zur Höhenanpassung. Außerdem hat diese Stadt eine sehr bewegte Geschichte hinter sich, auf deren Spuren wir ausgiebig wandeln wollen.

Die Stadt wird vom Cerro Rico ("Reicher Berg") überragt, dessen überreichen Silbervorkommen sie ihre Existenz verdankt. Das Silber wurde 1545 von den Spaniern entdeckt und sofort wurde mit der Ausbeutung des Berges begonnen. Potosi wuchs zur größten und reichsten Stadt Lateinamerikas an, 1650 hatte sie 160.000 Einwohner (mehr als Madrid, Paris oder Rom zu jener Zeit). Potosi war jahrhundertelang ein Synonym für Reichtum, so heißt es, dass selbst die Pferdehufeisen während der Blütezeit aus Silber geschmiedet und sogar die Plastersteine anlässlich von Festen durch Silberbarren ersetzt wurden. Im 18. Jh. kam dann der Absturz Potosis in die Bedeutungslosigkeit, da das Silber im Berg so gut wie ausgebeutet war. Erst Anfang des 20. Jhs. brachte der Abbau von Zinnerz einen erneuten Aufschwung und auch heute noch wird der Berg zur "Ader gelassen". (Mehr dazu in diesem Bericht...)

Potosi von oben, Cerrro Rico

Das Silber des Cerro Rico lieferte zwischen 1570 und 1620 ca. 70 Prozent der europäischen Münzmetalle, so verwundert es nicht, dass die Spanier 1572 die Casa de la Moneda bauen liessen, um dort Münzen für die gesamte Welt zu prägen. Heute ist dieses festungsartige Bauwerk eines der schönsten Museen Boliviens, in dem es neben kolonialen Möbeln und Gemälden, einigen Mumien und einer großen Sammlung von Mineralien vorallem Werkzeuge, die zum Abbau des Silbers und zum Prägen der Münzen gebraucht wurden, zu sehen gibt.
Nur so am Rande: Früher prägte Potosi die Münzen für die ganze Welt - heute muß sich Bolivien das Geld im Ausland prägen lassen...

Anne und Casa de Moneda
 
Als wir durch das historische Zentrum Potosis, das im Kolonialstil gehalten ist und fast vollständig aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammt, bummeln, fällt uns auf, dass man den Cerro Rico von fast überall sehen kann. Dieser Berg, der inzwischen wie ein Schweizer Käse durchlöchert ist, hat in der langen Geschichte seiner Ausbeutung unzählige Menschenleben gefordert. So kamen bis zum 18. Jh. ca. 8 Millionen Indigena, die in den Minen unter furchtbaren Bedingungen als Zwangsarbeiter für die Spanier schuften mussten, ums Leben. Der spanische Versuch, schwarze Sklaven einzuführen, scheiterte an der sauerstoffarmen Höhenluft. Die meisten starben, bevor sie unter Tage (heißt hier auf 4300m) eingesetzt werden konnten.

Anne und Cerro Rico

Vom ehemaligen Reichtum der Stadt zeugen heute noch 36 (zum Teil) verfallene Kirchen. Wir besteigen gegen Abend den Turm der Jesuitenkirche Iglesia La Compania de Jesus (erbaut um 1705), von dem man einen tollen Rundblick auf Potosi hat und geniessen lange die Abendstimmung, die über der Stadt liegt.

Anne auf Kirchturm

Außerdem lassen sich bei diesem Licht tolle Schattenfotos machen und so veranstalten wir noch ein kleines Fotoshooting.
Inzwischen sind wir 3 Tage in der Stadt und fühlen uns jetzt fit genug, um am nächsten Morgen eine Minentour zu machen und uns den Berg mal von innen anzuschauen.

Schattenspiele

Weitere Fotos von den Tagen befinden sich hier.
 

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