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Altiplano

02.10.2009 - Tupiza, San Antonio de Lipez  


Und los geht's! Unsere geplante Altiplanotour führt uns über 700 Kilometer durch weitgehend unberührte Landschaft mit keinerlei Infrastruktur. Das heißt keine Asphaltstraßen, keine Tankstellen, keine Einkaufsmöglichkeiten - ein echtes Abenteuer und eine neue Herausforderung für uns. Zunächst müssen wir jedoch erstmal hoch auf die Hochebene. Von Tupiza aus, das auf knapp 3000m liegt, klettert unser Bus tapfer die steilen Anstiege hinauf, die uns auf einer Strecke von etwa 25km bis auf ca. 4500m führen. Es geht teilweise nur im Schrittempo vorwärts, die bevorzugten Gänge in dieser Höhe sind der 1. und der 2. Gang. Die Luft ist hier spürbar dünner, Mensch und Maschine müssen Höchstleistung vollbringen. 

El Sillar

Dann haben wir es geschafft. Wir sind auf dem Altiplano, der waldlosen und abflusslosen Hochlandebene, die große Teile Boliviens einnimmt und sich bis Südperu, Nordchile und Nordargentinien erstreckt. Die Ebene liegt auf ca. 3600-4100m Höhe und wird von einigen 5000 bzw. 6000ern begrenzt. Charakteristisch für diese Landschaft sind weite Steppengebiete, wo nur das trockene Büschelgras "Ichu" wächst, sowie zahlreiche Lagunen, riesigen Salzpfannen und Salzseen. Uns beeindrucken vorallem diese Weite, die Einsamkeit, die tollle Farbpalette, in der sich die Natur präsentiert und die Tiere, die sich diesen harten Lebensbedingungen optimal angepasst haben.

Altiplanolandschaft
 
Erst nach 2 Tagen begegnet uns das erste Auto. Einen geeigneten Übernachtungsplatz zu finden, ist daher gar kein Problem. In dieser Nacht schlafen wir am Rande eines kleinen Bachs, der über Nacht zufriert, so dass Maik am nächsten Morgen Steine auf dem Eis springen lassen kann (siehe Video).

Übernachtung

Das die Nächte auf dem Altiplano sehr kalt werden könnnen, hatten wir vorher schon gehört. Dafür haben wir eine Standheizung, die wir aber in der ersten Nacht nicht anmachen, da wir nicht wissen, wieviel Sprit der Bus in der Höhe verbraucht und wir ja noch bis zur nächsten Tankstelle kommen müssen. Wie man sieht, war das keine so gute Idee. Morgens ist der Bus von innen gefroren, wie eine Kühltruhe. Von nun an läuft die Standheizung jede Nacht, schließlich messen wir als niedrigste Außentemperatur -11°Celsius.

frostig kalt

Wie schon erwähnt, gibt es hier trotz der lebensfeindlichen Bedingungen auch einige Tierarten, die wir beobachten können. In einer schon sehr lange verlassen spanischen Goldgräbersiedlung läuft Maik dieses Viscacha (zu deutsch Hasenmaus) vor die Linse. Diese grauen, possierlichen und sehr scheuen Tierchen gehören zur Familie der Chinchillas und sind wegen ihrer samtweichen Felle sehr begehrt.

Viscacha

Außerdem begegnen uns immer wieder kleine Herden von Vikunjas. Das ist das kleinste von den ingesamt 4 Kleinkamelarten, die in den Anden leben. Die Wolle des Vikunjas ist die teuerste Naturfaser der Welt (das Kilo kostet bis zu 500 Euro), weswegen das Tier früher erbarmunglos gejagt wurde.

Vicuna auf dem Altiplano

Im Gegensatz zum wild lebenden Vikunja ist sein Verwandter das Lama schon seit über 7000 Jahren domestiziert. Für die Andenbewohner sind die Lamas wichtige Haustiere, da sie ihnen neben der Fleisch- und Fellnutzung auch als ideale Tragetiere dienen. Viele Lamas sind an ihren Ohren mit kleinen Bommeln gekennzeichnet, damit sie ihren Besitzern genau zugeordnet werden können. Übrigens waren wir bis jetzt keiner einzigen Spuckattacke ausgesetzt ;-) ...

Lama auf dem Altiplano

Die Pisten auf dem Altiplano sind immer für eine Überraschung gut. Diese Flussdurchfahrt wird gerade erneuert, so dass unsere Fahrt erstmal von mehreren Sandhaufen gestoppt wird. Kurzerhand greift Maik zur Schaufel und leistet ein bißchen "deutsche Aufbauhilfe". Nach einigen Schippen merkt er jedoch schnell, dass man hier aufgrund der Höhe schneller an seine Leistungsgrenzen kommt. Nach gut 20 Minuten und einem freundlichen "Gracias" des Bolivianers können wir unseren Weg fortsetzen (siehe Video).

Maik beim Straßenbau

In dieser Einsamkeit leben auch einige wenige Menschen, allerdings unter allereinfachsten Bedingungen. Ihre Häuser haben sie in dem hier typischen Adobestil errichtet. Sie sind aus luftgetrockneten Lehmziegeln, die oft mit Stroh gemischt sind, erbaut und mit Stroh gedeckt. In manchen Orten gibt es geförderte Projekte (Wasser, Strom, Infrastruktur) zur Verbesserung der Lebensbedingungen. So sehen wir neben einigen Häusern moderne Solarmodule zur Stromgewinnung stehen - welch extremer Kontrast zu der einfachen Bauweise der Häuser.

Adobedorf auf dem Altiplano

Weitere Fotos von den Tagen auf dem Altiplano befinden sich hier, sowie zwei kleine Videos unten dran.
 




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