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La Paz

13.10.2009 - La Paz


Tja, eigentlich wollten wir die Großstädte auf unserer Rundreise so weit wie möglich umfahren, doch unser Bus muss nach der anspruchsvollen Altiplanotour mal gründlich durchgecheckt werden und so entscheiden wir uns für einen Zwischenstopp in La Paz, der "Stadt des Friedens". Das dieser Aufenthalt alles andere als kurz werden wird, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch nicht. Aber der Reihe nach...

Wir nähern uns dem geistigen und politischen Zentrum Boliviens über eine flache, öde Ebene und müssen uns erstmal durch die knapp 4100m hoch gelegene Zwillingsstadt El Alto kämpfen, um endlich eine Blick in den Talkessel und den tiefsten Punkt der Stadt auf 3100m Höhe, werfen zu können. Der Anblick ist atemberaubend - die Bauwerke scheinen abwärts zu fließen, eine Unzahl planloser verlaufender Straßen schrauben sich himmelwärts und im Hintergrund erhebt sich die imposante Kulisse des schneebedeckten Illimani (6439m). Gut zu erkennen ist auch, dass die Wohnviertel eine deutliche Übereinstimmung zwischen Höhenlage und sozialem Status aufweisen: je höher die Lage, desto ärmer die Bewohner und umgekehrt.

La Paz auf 3000 - 4000m Höhe

Unsere erste Anlaufstation in La Paz ist das Hotel Oberland, etwas außerhalb gelegen. Das von einem Schweizer gegründete Hotel bietet fast die einzige Möglichkeit in der Großstadt sicher zu "campen" und ist somit ein beliebter Treffpunkt bei Travelern mit eigenen Fahrzeugen. Und so tummeln sich während unseres Aufenthalts auf dem kleinen Hinterhof bis zu 8 große und kleine Reisemobile gleichzeitig. Neben anderen Deutschen (u.a. Sylvie und Frank ) hat es auch Kanadier, Schweizer und Holländer hier her verschlagen und es herrscht eine rege Kommunikation, bei der viele Erfahrungen und wertvolle Tipps bezüglich Reisen in Südamerika weitergegeben werden.

Camping Hotel Oberland La Paz

Da wir nun schon mal hier sind, erkunden wir natürlich auch das historische Zentrum der knapp 900.000 Einwohner zählenden Stadt. Da das Taxifahren hier extrem billig ist und wir es uns mit unseren rudimentären Spanischkenntnissen nicht so richtig zutrauen, uns in das chaotische Netz der öffentlichen Verkehrsmittel zu stürzen, springen wir lieber in eines der zahlreichen Taxis, um von A nach B zu kommen. Traditionelles und Modernes verschmelzen in den tiefer gelegenen Stadtteilen zu einer ganz besonderen Atmosphäre. Hier findet man Wolkenkratzer neben Kolonialbauten, indigene Märkte neben modernen Boutiquen.

Stadtbummel La Paz

Der Hexenmarkt in der Calles Linares ist einer dieser traditionellen Märkte. Hier bieten "Kräuterhexen" und "Heiler" neben den üblichen Souvenirs geheimnisvolle Pülverchen und Mittelchen aller Art gegen Krankheiten und böse Geister an. Besonders bizarr sind die getrockneten Lama-Embryos, die die Einheimischen beim Hausbau einmauern, um sich Glück und Wohlstand zu sichern. Ganz schön gruselig!

Hexenmarkt La Paz

Natürlich gibt es hier auch die typischen Textilien aus dieser Andenregion, Tücher und Decken in allen Farben des Regenbogens, schöne Wollsachen wie Ponchos, Mützen und Schals. Da können auch wir nicht widerstehen und kaufen uns ein paar Pullover aus herrlich-weicher Babyalpakawolle. Selbstverständlich nicht ohne den Preis vorher kräftig heruntergehandelt zu haben, das gehört hier einfach dazu... ;-)

Shopping La Paz

Auf dem Rückweg von einer speziellen Werkstatt für Dieselfahrzeuge in der Oberstadt El Alto geraten wir in ein mittleres Verkehrschaos. Auslöser sind etliche brennende Autoreifen, die die größte stadteinwärtsführende Straße blockieren, verfolgt wird das ganze Geschehen von zahlreichen Schaulustigen. Solche Straßenblockaden sind in Bolivien und Peru, vorallem in politisch unruhigen Zeiten, nichts außergewöhnliches, diese hier ist wahrscheinlich auf die bald anstehende Präsidentenwahl im Dezember zurückzuführen. Nachdem wir bestimmt 2 Stunden im Feierabendverkehr festgesteckt haben, können wir den Schauplatz mit etwas mulmigen Gefühl passieren und sind erleichtert, das anscheinend alles recht friedlich verlaufen ist.

Roadblock in der Rush Hour

La Paz haben wir nicht ohne Grund für unseren Reparaturstopp ausgesucht. Hier unterhält nämlich Ernesto Hug (ein Bolivianer mit schweizerischen Wurzeln) eine der besten und saubersten Autowerkstätten in Südamerika, die den Vergleich mit deutschen Pendants nicht scheuen muss. Weitere Pluspunkte sind das Ernesto deutsch spricht, sich auch mit VW T3 Bussen gut auskennt und man bei ihm in der Werkstatt auch in den eigenen Autos übernachten kann (sofern Platz ist). Und er ist ein sehr netter und hilfsbereiter Mensch, der schon seit vielen Jahren Südamerikareisenden bei ihren Autoproblemen weiterhilft.

So ist es kein Wunder, das neben uns noch bis zu 3 weitere Reisegefährte durchgecheckt und reparariert werden. So treffen wir hier die Schweizer Ursula und Adriano, Birte und Ingo von freigelassen und Flo mit seinem VW Bus, zu dem Maik schon in Deutschland Emailkontakt hatte. Bei allen dauert die Reparatur voraussichtlich etwas länger und gemeinsam lässt sich die Wartezeit auf jeden Fall besser überbrücken.

Werkstatt Ernetso Hug
 
Maik hatte schon unterwegs festgestellt, dass einer der vorderen Stoßdämpfer Öl verliert. Da hilft nur ein kompletter Austausch und da der Bus spezielle Stoßdämpfer benötigt, die hier nicht aufzutreiben sind, müssen wir in den sauren Apfel beißen und beschließen uns den Ersatz aus Deutschland schicken zu lassen. Der ADAC  ist uns (dank Plus-Mitgliedschaft) beim Zusammenstellen des Pakets, den Zollformalitäten und beim Transport nach Bolivien sehr behilflich. Das ganze Prozedere der Lieferung wird aber mindestens eine Woche dauern.

Wir wollen nicht untätig rumsitzen und da der Bus ja noch fahrtüchtig ist, entscheiden wir uns für ein paar Tage ins bolivianische Tiefland zu fahren und ein bißchen Dschungelluft zu schnuppern. Nach 10 Tagen sind wir wieder zurück in der Werkstatt und nachdem wir die Ersatzteile vom Flughafen beim Zoll abgeholt haben, kann es endlich mit der Reparatur losgehen. Maik erneuert gleich die Verschleißteile der Vorderachse, sowie die hinteren Radbremszylinder, Bremsbacken und das rechte Handbremsseil mit.

Vorderachse Stossdämpfer

Die Abende verbringen wir mit Skip-Bo spielen, lesen oder Filme auf dem Laptop schauen. Inzwischen ist meine Laune langsam auf dem Tiefpunkt angekommen, das alles zieht sich ewig hin, wir haben doch noch so viel vor und nicht unbegrenzt Zeit, wie manch andere, die wir getroffen haben. Und der schönste Ort zum Verweilen ist eine Werkstatt in La Paz ja auch nicht ... :-(

Skip Bo Abend

Da auch unser Dachgepäckträger durch die schlechten Pisten arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, wir ihn schon mehrmals schweißen lassen mußten und wir ja eh Zeit haben, lassen wir uns für wenig Geld eine stabilere Variante anfertigen. Praktischerweise hat der Metallbauer seine Werkstatt gleich gegenüber der von Ernesto. Es ist immer wieder erstaunlich mit welchem Improvisationstalent die Menschen in Südamerika ihr Handwerk ausüben.

Neuer Dachgepäckträger

Während wir in La Paz festhängen, feiert Maiks Vater am anderen Ende der Welt seinen 50. Geburtstag. Eine Liveschaltung zur Party nach Weißwasser via Skype scheitert leider an der schwachen Internetverbindung in Deutschland (!) und so können wir nur per Foto gratulieren und in Gedanken dabei sein.

50. Geburtstag

Etwas Abwechslung in den Werkstattalltag bringen uns an mehreren Sonntagen farbenprächtige Prozessionen, die direkt vor unserer Bleibe die steile Straße hinauf ziehen. Was diese Menschen genau feiern, können wir nicht herausfinden, aber es hat wohl irgendetwas mit ihrem Glauben und heiligen Jungfrauen zu tun. Auffällig ist die übersprudelnde gute Laune und Offenheit, die diese Bolivianer, die sonst eher schüchtern und zurückhaltend wirken, zu diesen Anlässen an den Tag legen. Das ist aber wohl vorallem dem reichlichen Alkoholkonsum geschuldet. ;-) Um das ausgelassene Flair noch besser zu genießen, einfach die Musik zu den Bildern anmachen (auf dem Foto in der rechten oberen Ecke).
Nach insgesamt 5 Wochen (mit Ausflug in den Dschungel) können wir am 17.11. La Paz endlich runderneuert in Richtung Peru verlassen.


Weitere Fotos von den Wochen in La Paz befinden sich hier.


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