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Camino de la Muerte30.10.2009 - Coroico, RurrenabaqueUm dem Großstadtdschungel von La Paz zu entfliehen (und um die Wartezeit auf unsere Ersatzteile zu verkürzen) beschließen Maik und ich stattdessen mal richtige Dschungelluft zu schnuppern. Wir begeben uns dafür auf die über 400km lange Fahrt nach Rurrenabaque, ins tropische Tiefland des Rio Beni. Allein schon die spektakuläre Strecke bis zu unserem ersten Zwischenstopp in Coroico ist die Mühe wert gewesen... Um von La Paz ins Tiefland zu kommen, muss man sich nämlich die einst gefährlichste Straße der Welt "hinabstürzen". Diese führt vom höchsten Punkt (dem 4650m hohen Pass La Cumbre in der Cordillera Real) in zahlreichen Serpentinen hinab ins Benibecken und überwindet dabei auf ca. 70km Länge einen Höhenunterschied von über 3000m (siehe Höhenprofil unten). Das heißt, innerhalb eines halben Tages durchfährt man fast allen Klima- und Vegetationszonen Südamerikas, von schneebedeckten Gipfeln bis in den dampfenden Regenwald - das ist das bolivianische Andenerlebnis schlechthin! Inzwischen gibt es als Alternative zur alten Schotterstraße eine doppelspurige Asphaltstraße mit Leitplanken auf der gegenüberliegenden Bergflanke, aber die heben wir uns lieber für den Rückweg auf.
Wie man unschwer erkennen kann, ist der Camino de la Muerte nichts für Leute mit Höhenangst. Er ist gerade mal 3,20m breit und führt vorbei an bis zu 600m in die Tiefe abfallenden Steilhängen. Dazu kommt, dass talwärts fahrende Fahrzeuge immer außen an der Schluchtkante entlangzirkeln müssen, da der bergauffahrende Verkehr Vorfahrt hat und innen fahren darf. Adrenalin pur! Zum Glück begegnen uns nur sehr wenige Fahrzeuge und auch von den vielen Mountainbikern, die auf der Todesstraße das Abenteuer suchen, bekommen wir kaum welche zu Gesicht. So können wir ab und zu anhalten und die fantastische Aussichten auf die Yungas (so werden die tropischen Täler genannt, die eine natürliche Grenze zwischen dem Altiplano und den Regenwäldern des Amazonasbecken bilden) um uns herum genießen. ![]() Das Attribut "gefährlichste Straße der Welt" verdankt die Strecke den vielen meist tödlichen Unfällen, zu denen es hier leider immer noch kommt. Die geschätzten Zahlen schwankten bis zur Errichtung der Ausweichroute im Jahr 2006 zwischen 100 bis 300 Todesfällen pro Jahr, eine Unmenge von Kreuzen, stumme Andenken an die Opfer, säumen auf der gesamten Route den Wegesrand. Dabei gibt es sicher weitaus schlimmere Straßen, gefährlich wird die Straße vorallem durch die Fahrer, die darauf unterwegs sind z.b. übermüdete Macho-Busfahrer oder unerfahrene Abenteuertouristen. ![]() Am Abend sind wir im malerisch gelegenen Coroico auf der Suche nach einem geeignetem Stand- und Schlafplatz. Nach einer Weile werden wir bei einem Hotel fündig, wo wir auf dem Parkplatz mit Blick auf die Yungas plus Todesstraße übernachten dürfen. Der nächste Morgen beginnt mit einem Schreck, wir werden von einem Mann mit einem Elektroschocker unsanft geweckt. Wie sich dann herausstellte, war das wohl eine Art Hausmeister, der dachte wir hätten da unerlaubt übernachtet. Wir verziehen uns lieber schnell und setzen unsere Fahrt Richtung Norden fort. ![]() Nach einem anstrengendem Tag nur Fahrerei (es wird auch immer heißer und schwüler) und noch einer Nacht am Straßenrand kommen wir am nächsten Tag endlich in Rurrenabaque an. Das kleine, verschlafene Urwaldkaff liegt direkt am Rio Beni und schon im Amazonasbecken, entsprechend ist auch das Klima. Von hier aus wollen wir einen Ausflug in den Madidi Nationalpark machen, der einer der artenreichsten der Welt sein soll. Aber erstmal sind wir wieder auf der Suche nach einem Übernachtungsplätzchen. Während wir langsam durch die wenigen Straßen fahren, hat Maik plötzlich das Gefühl, dass wir von jemandem verfolgt werden. Als wir aussteigen, spricht uns ein Herr mittleren Alters in deutsch an und fragt, ob er uns helfen kann. So lernen wir Joerg kennen, einen Schweizer, der schon seit vielen Jahren in Bolivien lebt, hier als Ingenieur Brücken und Straßen gebaut hat, mal der Besitzer des Hotel Oberland in La Paz war, sich nun hier in "Rurre" häuslich niedergelassen hat und in der Gegend bekannt ist wie ein bunter Hund. ![]() Er besitzt das kleine Resort "El Mirador", wo er gerade dabei ist, ein Campingplatz zu bauen und lädt uns ein seine Gäste zu sein. Da sagen wir natürlich nicht nein - eine sehr gute Entscheidung, es gibt eine tollen Pool mit Aussicht, jeden Tag kostenlos frische Brötchen und Croissants aus einer französisch geführten Bäckerei und wir können unseren Bus hier einige Nächte stehen lassen. Außerdem hilft uns Joerg einen passenden Touranbieter für unser Dschungelabenteuer zu finden, so dass wir schon am nächsten Tag starten können. Uns schließt sich noch ein nettes Schweizer Ehepaar mit 3 Mädchen an, denen Joerg ebenfalls aus der Patsche geholfen hat. Auch nachdem wir aus dem Urwald zurück sind, gönnen wir uns noch 4 faule Tage in diesem kleinen Paradies, bevor wir uns schweren Herzens auf den Rückweg in die Großstadt La Paz machen. ![]() Zum Abschluss nochmal das Höhenprofil unserer 10-tägigen Tour von La Paz nach Rurrenabaque und zurück. ![]() Weitere Fotos von den Tagen befinden sich hier, sowie ein kleines Video unten dran.
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