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Reserva Natural Serere

03.11.2009 - Rurrenabaque


Nachdem wir die Angebote verschiedener Touranbieter miteinander verglichen haben, entscheiden wir uns für eine dreitägige Dschungeltour in das private Naturschutzgebiet Serere, das sich nördlich vom Nationalpark Madidi befindet. Die Tour ist zwar nicht gerade die preiswerteste Variante, aber dafür legt man hier großen Wert auf nachhaltigen Tourismus in enger Verbindung mit Naturschutz. Madidi Travel hat mit Serere ein Umweltschutzprojekt entwickelt, das vorallem auch die örtliche indigene Bevölkerung mit einbezieht. Das Gebiet selbst ist ein von Flüssen und Seen durchzogener Urwald mit einer großen Vielfalt von Ökosystemen. Der auf dem Holzschild abgebildete bunte Vogel ist übrigens der Namensgeber für das Naturschutzgebiet, wir selbst konnten auch einen kurzen Blick auf einen echten Serere erhaschen.

Madidi Travel - Reserva Natural Serere

Um von Rurrenabaque nach Serere zu gelangen, müssen wir erst einmal eine dreistündige Bootsfahrt (ca. 50km) den Rio Beni hinunter hinter uns bringen. Der Beni ist ein äußerst fischreicher Fluss, der träge den Regenwald durchfließt, bevor er irgendwann in den Amazonas mündet. Die Fahrt zusammen mit einer handvoll anderer Touristen und einem isländischen Freiwilligen ist ganz unterhaltsam und außerdem tauchen am Flussufer immer wieder provisorische Hütten von Einheimischen auf, die unter einfachsten Umständen am und vom Fluss leben und andere Boote sind ebenfalls unterwegs, so dass es eigentlich immer etwas zu sehen gibt und die Fahrtzeit wie im Fluge vergeht.

Leben am Rio Beni
 
Nach unserer Landung und einer kurzen Wanderung durch den Dschungel sind wir endlich da. Das Haupthaus des Camps liegt an einem See und, wie eigentlich alle Hütten hier, idyllisch mitten im Urwald . Auf der oberen Etage kann man, faul in der Hängematte liegend, mit Blick auf die fast unberührte Natur super relaxen. Auf der unteren Ebene, wo gekocht und gegessen wird, findet das erste Zusammentreffen mit den Organisatoren statt, bei dem kleine Gruppen je einen Führer zugeteilt bekommen, mit dem man dann ganz individuell besprechen kann (leider nur in Spanisch), was man während des Aufenthaltes erleben möchte. So kann jeder die Zeit hier ganz nach seinen Wünschen und Vorlieben gestalten, auch ein Vorteil gegenüber den oft straff organisierten "Billigtouren".

Haupthaus

Zum Camp gehören auch einige zahme Wildtiere, wie diese zwei farbenprächtigen Papageien, die fast immer auf dem gleichen Baum am See sitzen. Es handelt sich bei den Beiden um einen Gelbbrustara und einen Grünflügelara, welcher welcher ist, bekommt ihr ja bestimmt selbst raus ;-) Maik hatte das Glück diese schönen Vögel auch in freier Wildbahn vor die Linse zu bekommen.

Gelbbrustara und Grünflügelara

Die anderen "Haustiere" sind zwei Marimonoaffen, eine Affendame und ein Affenbaby, die meistens auf der Terrasse herumturnen. Diese Primatenart, auch Schwarzgesichtklammeraffe genannt, wird wegen ihres schmackhaften Fleisches gejagt und ist deshalb vom Aussterben bedroht. Die Betreiber des Serere wollen nicht, dass sich die Affen zu sehr an Menschen gewöhnen, damit sie später einfacher wieder auszuwildern sind. Das ist jedoch gar nicht so leicht, denn die Beiden sind total zutraulich und vorallem das Baby ganz süß, so dass es mir schwer fällt, auf Abstand zu gehen.

Anne mit Affe

Das Schöne hier im Naturschutzgebiet ist, dass man viele Tiere des Regenwaldes gar nicht groß suchen muss. Sie sind einfach da, weil sie wissen, dass ihnen hier keine Gefahr droht. So können wir, vom Haupthaus aus, eine ganze Gruppe Totenkopfaffen beobachten, die in den umliegenden Bäumen herumtollen.

Affe

Das ist unsere gemütliche Hütte, in der wir drei unvergessliche Nächte mitten im Dschungel verbringen. Die Aussenwände bestehen nur aus Moskitonetzen, so dass wir abends im Bett alle Geräusche und Bewegungen des Regenwaldes hautnah wahrnehmen können. Ein einmaliges und aufregendes Gefühl!

Übernachtung

Auf einer unserer Wanderungen durch das Naturschutzgebiet bekommen wir von unserem Führer dieses Mohrenkaimanweibchen gezeigt. Nicht mal die super Tarnung hilft ihr unentdeckt zu bleiben, sie liegt schon seit Tagen an der gleichen Stelle am See, weil sie ihr Gelege hütet. Deswegen trauen wir uns auch nicht so nah ran, wie es das Foto vermuten lässt (Maik hat ja ein langes Objektiv für solche Fälle ;-)). Der Mohrenkaiman ist das größte Krokodil in Südamerika, sogar das größte Raubtier des Kontinents. Die Männchen können länger als 6 Meter werden, auch diese Dame hat eine stattliche Länge von ca. 4 Metern, wie man uns erzählt - wir haben ja nur den Kopf gesehen.

Mohrenkaiman

Ein weiterer "Programmpunkt" während unserem Dschungelabenteuer ist das Piranha-Fischen auf dem Haussee. Wir hatten jedoch kein Anglerglück und haben die kleinen Monster nur stundenlang mit rohem Fleisch gefüttert. Andere Campbesucher hatten da mehr Erfolg und so können wir trotzdem am Abend einen gegrillten Piranha probieren, an den kleinen Exemplaren ist allerdings nicht genug dran, um einen bestimmten Geschmack herauszuschmecken.

Versuch Pirania zu angeln

Das Haupthaus ist der tägliche Treffpunkt für alle, die sich gerade auf diesem entlegenen Stück Erde aufhalten, sowohl für die Besucher, als auch für die "Angestellten" und die Tiere. Die bezaubernde kleine Tochter der Köchin ist für Maik ein willkommenes Fotomotiv, denn gute Fotos von Menschen zu machen, ist in Südamerika gar nicht so leicht. (Viele Einheimische wollen sich aus religiösen oder persönlichen Gründen nicht fotografieren lassen.) Ich hätte mich gern ausführlicher mit der Kleinen unterhalten, aber mehr als ihren Namen kann ich nicht herausbekommen, meine Spanischkenntnisse sind einfach zu rudimentär.

Mädchen und Affe

An unserem letzten Tag geht es mir leider nicht so gut. Ich habe ganz schön Durchfall und so kann ich an der in aller Frühe geplanten Wanderung nicht teilnehmen. Für Maik und zwei weitere Touris geht es nochmal tief in den Regenwald, zu den entfernteren Seen, auf der Suche nach wilden Papageien. Auf dem Weg kommt Maik auf die glorreiche Idee an einer Liane Tarzan zu spielen. Das Ergebnis ist ein riesiger Riss in seiner Lieblingshose... ;-) 

Maik als Tarzanversuch

Dann heißt es für uns Abschied nehmen und zurück in die Zivilisation. Dank einiger Pillen überstehe ich die mehrstündige Rückfahrt mit dem Boot ohne unschöne Zwischenfälle. Diese Gorillawolke bei Sonnenuntergang wird uns, neben all den anderen tollen Erlebnissen während unserem Dschungelausflug, noch lange im Gedächtnis bleiben.

Seeromantik Lago San Fernando

Weitere Fotos von den Tagen befinden sich hier.
 




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