| reisen.lowsix.de |
|
|
||||
Tiwanaku17.11.2009 - TiahuanacoEtwa 70 Kilometer westlich von La Paz liegt Boliviens bedeutendste archäologische Ruinenstätte einer Prä-Inka-Kultur - Tiahuanaco (in der alten Aymara-Schreibweise Tiwanaku). Die können wir uns natürlich nicht entgehen lassen, außerdem ist der Besuch schon mal eine kleine Einstimmung auf die geballte Ladung Kultur, die uns in Peru erwartet. Wir übernachten auf dem Parkplatz vor den Ruinen und gönnen uns für die Besichtigung am nächsten Morgen einen englischsprachigen Führer. Von der Tiwanaku-Kultur ist nur sehr wenig bekannt, der Name bedeutet sinngemäß "Setz Dich nieder kleines Lama". Das historische Tiwanaku war wahrscheinlich das religiöse und administrative Zentrum dieser Menschen, deren damaliger Einfluss im gesamten Gebiet des späteren Inkareiches nachzuweisen ist. Archäologen stimmen darin überein, dass die Kultur schon 600 v.Chr. entstand, gegen 700 n.Chr. war die Tempelstadt im Bau und gegen 1200 n.Chr. verloren sich die Spuren dieses Volkes. Die 5km2 große Anlage, die ursprünglich direkt am Südufer des Titicacasees lag (durch Verdunstung liegt sie jetzt 20km entfernt), ist leider stark zerstört. Nach dem Untergang Tiwanakus dienten die vielen großen Steinbauten als Steinbruch, die damalige Bevölkerung benutzte die Steine als Baumaterial für Kirchen, Häuser und sogar für eine Eisenbahnlinie. Um einen Überblick über die gesamte Anlage zu bekommen, besteigen wir zuerst einen 15m hohen tempelartigen Hügel, dessen Mauern derzeit weiter freigelegt werden. Als zweites begeben wir uns zu einem halb unterirdischem Tempel, der 1960 ausgegraben wurde. Das Besondere an diesem rechteckigen Mauerwerk sind die 175 eingelassenen steinernen Köpfe, die man sich auch aus nächster Nähe anschauen kann. Bei der Größe der Bevölkerung Tiwanakus tappt man übrigens auch im Dunkeln. Vorsichtige Schätzungen beginnen mit 20.000, mutigen enden bei 120.000 Einwohnern. ![]() Die Relieffiguren sind aus Kalk- und Tuffstein gefertigt worden und zeigen ganz unterschiedliche Gesichter und Grimassen. Von lustig bis gespenstisch ist alles dabei... ;-) ![]() Das nächste imposante Bauwerk ist eine tempelartige Sonnenwarte mit gewaltigen Ausmaßen (128 x 118m). Viele Steinblockpfeiler der ursprünglichen Mauer blieben erhalten, so dass eine Rekonstruktion hier nicht all zu schwierig war. Maik gönnt sich eine kurze Verschnaufspause auf seltsam geformten Steinen. Unser Guide erklärt uns, dass die Bewohner Tiwanakus damals, auf diesen Steinen liegend, den Sternenhimmel beobachtet haben und so seien diese Kuhlen entstanden. Außerdem ist die gesamte Anlage nach exakten astronomischen Gesichtspunkten ausgerichtet worden, was wiederum religiöse Zwecke vermuten lässt. ![]() Bei den Ruinen, die im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden, fanden die Archäologen auch einige große Säulenmonolithen, die wahrscheinlich Götter mit menschlichen Gesichtern darstellen. Einer der schönsten und besterhaltensten ist der 3,50m hohe Ponce-Monolith. Die Figur hält zwei verzierte (Kult-)Gegenstände in den Händen. Außerdem weist sie kunstvolle Reliefbearbeitungen auf, bei den Zeichen könnte es sich um eine Art Zeichenschrift handeln. ![]() Die bekannteste Sehenswürdigkeit Tiwanakus ist jedoch das Intipunku - das Sonnentor, das unvollendete Glanzstück der Steinmetzkunst dieser Kultur. Es ist etwa 3m hoch und 3,80m breit, wurde aus einem einzigen Andesitblock (Vulkangestein) herausgehauen und wird auf etwa 10 Tonnen Gesamtgewicht geschätzt. Nach wie vor ist es ein Rätsel, wie die tonnenschweren Gesteinsbrocken nach Tiwanaku kamen, da das Rad anscheinend noch nicht bekannt war und die Steinbrüche sich vermutlich bis zu 100km entfernt befanden. Nach dem Untergang ist das Tor, möglicherweise durch ein Erdbeben, umgestürzt und in zwei Teile zerbrochen und erst 1908 wurde es wieder aufgerichtet. ![]() Sehr interessant ist das Flachrelief im Fries des Tores, das entweder den Sonnengott oder den Schöpfergott der Inkas Wiracocha darstellt. Das maskenhafte Gesicht wird von einem strahlenförmigen Kopfputz umrahmt. Die Zepter in beiden Händen laufen in Kondorköpfe aus. Die Gottheit wird von 48 kleinen Figuren (Menschen- und Kondorköpfe) mit Flügeln eingerahmt, die manche Wissenschaftler als Kalender gedeutet haben. ![]() Nachdem wir auch noch das, direkt neben der Anlage liegende, Museum besichtigt haben, fahren wir weiter dem Titicacasee entgegen. Unseren ursprünglichen Plan nach Cobacabana (einem wichtigen Wallfahrtsort) zu fahren und die Isla del Sol (der Legende nach der "Geburtsort" der Inka-Kultur) zu besuchen, können wir leider nicht in die Tat umsetzen. Schon seit Wochen wird die Fähre nach Cobacabana von bolivianischen Fährleuten bestreikt und so sind wir gezwungen eine weniger interessante Route Richtung peruanischer Grenze zu nehmen. Aber irgendwo müssen wir ja auch ein bißchen die "verlorene" Zeit von La Paz einsparen... ![]() Weitere Fotos vom Tag befinden sich hier.
|
||||
| Der
gesamte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. ©
2010 Maik Hanske - lowsix.de. Alle Rechte vorbehalten Impressum | Nutzungsbedingungen |
||||