reisen.lowsix.de

Machu Picchu

06.12.2009 - Aguas Calientes


Das wir auf unserer Südamerikareise Machu Picchu besichtigen wollen, stand für uns von Anfang an fest. Doch je näher wir der sagenumwobenen Inkastadt kommen, umso öfter hören wir von anderen Reisenden, das sich der große organisatorische und finanzielle Aufwand nicht lohnt. Machu Picchu sei viel zu überlaufen, zu touristisch, die reinste Abzocke. Wir wollen uns dennoch ein eigenes Bild machen, nur stellt sich die Frage, wie kommen wir hin?

Die Ruinenstadt liegt schwer zugänglich in den Anden, daher kann man sie nicht über Straßen erreichen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten mit dem Zug von Cusco oder anderen Orten nach Aguas Calientes (dem Ausgangsort einer Machu Picchu Besichtigung) zu fahren, doch die Zugtickets sind sehr teuer. Der Inka-Trail hätte uns schon gereizt, wir hätten die mehrtägige Wanderung aber schon sehr weit im Voraus buchen müssen und uns so in unserem Reiseverlauf festlegen, wollten wir dann doch nicht. Also entscheiden wir uns für die "Billigvariante", die folgendermaßen aussieht.

Wir fahren nachmittags von Ollanta ca. 140km (5 Stunden Fahrzeit) nach Santa Teresa, eine recht abenteuerliche und sehr abwechslungsreiche Strecke mit Serpentinen und engen Pisten. Am Abend erreichen wir die Hidroelectrica, ein Wasserwerk am Fluss Urubamba, hier können wir unseren Bus für eine geringe Gebühr zwei Nächte bewacht stehen lassen. Am nächsten Morgen wandern wir schwer bepackt an den Eisenbahnschienen entlang Richtung Aguas Calientes. Die Flora um uns herum erinnert uns stark an Regenwald, es ist sehr schwül und nieselt leicht und das Laufen auf den Schienen bzw. Geröll ist ziemlich anstrengend (siehe Video). Wir haben keine Eile, machen viele Pausen, lauschen ab und zu ob ein Zug kommt und brauchen deshalb über 3 Stunden für den 11km langen Weg.

Maik der Schienenhorcher

Am Nachmittag erreichen wir Aguas Calientes. Das Dorf liegt im Tal unterhalb von Machu Picchu und hat sich durch die wachsenden Touristenströme von einem verschlafenen Fleckchen an einem Bahngleis zu einem nicht gerade idyllischen und überteuerten Touriort entwickelt. Was solls, es gibt hier unzählige Hotels und Restaurants, so dass wir schnell fündig werden und dank einer Pizza mit Inkacola nicht hungrig in das Hotelbett fallen müssen. Vorher haben wir uns noch die Bustickets und Eintrittskarten für Machu Picchu besorgt, denn am nächsten Morgen soll es schon in aller Frühe losgehen.

Aguas Calientes - Machupicchu Pueblo

Es ist Nikolaustag und wir reihen uns 5.30 Uhr früh in die Menschenschlange, die auf die ersten Busse nach Machu Picchu wartet. Dieser Shuttleservice ist der bequeme Weg, man kann die 400 Höhenmeter natürlich auch zu Fuß überwinden, aber zu dieser unchristlichen Zeit lassen wir uns lieber gemütlich die 13 Kehren den Berg hochschaukeln. Am Eingang registrieren wir uns für die Besteigung des Waynapicchu, denn es dürfen nur 400 Personen pro Tag den Berg erklimmen. Dann sind wir endlich drin, doch der erste Eindruck ist etwas ernüchternd. Machu Picchu versteckt sich hinter dichten Nebelschwaden, wenigstens gibt es ein paar fotogene Lamas. ;-)

Machu Picchu - Lama im Nebel

Nach und nach lichtet sich der Nebel und wir können die ersten Blicke auf die geheimnisvolle Inkastadt erhaschen. Die Anlage ist schlichtweg atemberaubend. Allein schon ihre Lage auf einem schroffen, nach drei Seiten hin steil abfallenden Felsen, mit dem Waynapicchu als Wächter im Hintergrund ist sehenswert. Die Ruinen fügen sich so harmonisch in diese raue Landschaft, als wären sie schon immer da gewesen.

Doch das Geheimnis von Machu Picchu ist bis heute nicht endgültig entschlüsselt. War es eine Sommerresidenz der Inkaherrscher, der Zufluchtsort der Sonnenjungfrauen oder eine Festung zum Schutz vor der spanischen Invasion? Sicher tragen die Rätsel um den Sinn und Zweck der "verlorenen" Stadt, sowie die spannende Geschichte ihrer Wiederentdeckung durch den Amerikaner Bingham vor 100 Jahren viel zu dem besonderen Reiz bei, den dieses "Neue Weltwunder" auf viele Menschen ausübt. Wer mehr über die Geheimnisse Machu Picchus wissen möchte, kann sich unten die interessante und aktuelle Dokumentation von Arte anschauen.

Wir lassen die mystische Atmosphäre am Aussichtspunkt lange auf uns wirken, bevor wir die eigentliche Sightseeingtour starten. Mit unserem Reise Know How als Tour Guide schlendern wir treppauf treppab durch die sich stetig mit Besuchern füllende Anlage, besichtigen Tempel, Paläste und den "Ort, an dem die Sonne angebunden wird" und machen dabei viele Fotos.

Machu Picchu - Nebel am Morgen

Nachdem wir ungefähr die Hälfte der Stadt erkundet haben, wagen wir uns gegen 10 Uhr an den Aufstieg des Waynapicchus. Den Zeitpunkt haben wir bewußt gewählt, denn zwischen 10 und 14 Uhr ist der Besucherandrang in der Ruinenanlage am größten und das müssen wir nicht haben. Doch der 2700m hohe "Junge Gipfel" hat es ganz schön in sich. Wir kommen bei den steilen Stufen (man nennt sie auch die Todesleiter) schnell ins Schwitzen und oben angekommen, müssen wir uns erstmal eine Weile ausruhen. Dafür gibt es in Machu Picchu kaum ein besseres Plätzchen.

Das Panorama ist einmalig: die Inkastadt mit dem Machupicchu (der "alte Gipfel") im Hintergrund, der sich um den Berg windende Umrubamba-Fluß und grünbewaldete Berghänge ringsherum (siehe Video). Bei dem Anblick können wir es auch verschmerzen, dass der Himmel grau ist und die umliegenden Gipfel in den Wolken hängen. Wir holen unseren mitgebrachten Proviant aus unserem Rucksack und machen eine ausgiebige Mittagspause. Beim Abstieg kommen wir wieder leicht ins Schwitzen, diesmal nicht wegen der Anstrengung, sondern wegen den extrem steil abfallenden Hängen um uns herum. Das ist defintiv nur was für Schwindelfreie!
Gegen 13 Uhr haben wir den Abstieg erfolgreich gemeistert und widmen uns nun ausgiebig der Unterstadt mit ihren verschiedenen Vierteln und architektonischen Höhepunkten. Wir besichtigen das Handwerker- und Gefängnisviertel, bestaunen den Tempel des Kondors und das Mausoleum der Könige. Wie die gesamte Anlage ist auch dieser Teil der Stadt auf mehreren Ebenen errichtet wurden, die untereinander mit Treppen verbunden sind. Alles ist sehr verwinkelt, überall gibt es kleine Nischen, hinter jeder Ecke kann man etwas Neues entdecken. Wer also einen ruhigen Rückzugsort sucht und die Hauptroute auch mal verlässt, wird in der großflächig angelegten Inkastadt auf jeden Fall fündig.

Machu Picchu - Handwerkerviertel

So vergeht die Zeit wie im Fluge und als wir wieder am Aussichtspunkt angekommen sind, hat sich Machu Picchu sichtlich geleert. Jetzt schießen wir die typischen Postkarten Fotos und nehmen uns nochmal die Zeit, den fantastischen Anblick zu genießen (siehe Video). Wir sitzen lange schweigend auf einer Mauer und können es gar nicht so richtig glauben, das wir gerade hier sind. Deswegen machen wir auch so viele Beweisfotos, die wir später unseren Enkeln zeigen können. ;-)
Ob die später noch die Möglichkeit haben werden, Machu Picchu mit eigenen Augen zu sehen, ist fraglich. Es gab Zeiten, da besuchten bis zu 4000 Menschen täglich die Ruinenstadt, inzwischen wurde die Zahl auf 2500 Besucher beschränkt. Doch auch diese hinterlassen unweigerlich ihre Spuren, durch die ständigen Erschütterungen wächst die Gefahr von Erdrutschen, wer weiß wie lange die alten Gemäuer dem enormen Besucheransturm und den damit verbundenen Abnutzungserscheinungen noch standhalten können. Hier ist das Land Peru und die internationale Tourismusindustrie gefordert, damit das Weltkulturerbe nicht noch mehr zum "Disneyland der Anden" mutiert (Zitat von Prof. Ugarte von der Universität Cusco) und auch künftige Generationen verzaubern kann. Einen kritischen Fernsehbericht zu diesem Thema könnt ihr euch unten anschauen.

Macchu Pichu - typisches Tourifoto

Wir können uns nur schwer von diesem magischen Ort trennen, doch nach 10 Stunden, die wir hier oben verbracht haben, heißt es für uns Abschied von Machu Picchu zu nehmen. Und was sollen wir sagen, wir haben unsere Entscheidung, uns ein eigenes Bild zu machen, nicht bereut. Im Gegenteil, der Besuch der "verlorenen" Stadt war definitiv einer der Höhepunkte unserer gesamten Südamerikareise. Die Magie, die von Machu Picchu ausgeht, können wir euch nur schwer erklären, aber wenn man selbst da ist, ist sie mit allen Sinnen zu spüren. Sicher muss man die Begleiterscheinungen des Massentourismus in Kauf nehmen, aber wenn man es etwas geschickt anstellt, kann man erstens Kosten sparen und zweitens den Menschenmengen größtenteils aus dem Weg gehen.

Wir übernachten noch einmal in Aguas Calientes und stiefeln am nächsten Tag zurück zur Hidroelectrica, um unsere Reise fortzusetzen. Mit unserem Bus geht es erneut ins heilige Tal, diesmal nehmen wir eine kleine Abkürzung (siehe Video) und von dort fahren wir Richtung Pazifikküste. Wir lassen die beeindruckende Inkakultur hinter uns und widmen uns nun einer anderen Hochkultur Perus. Unser nächstes Ziel sind die Nasca-Linien.

Weitere Fotos von Machu Picchu befinden sich hier, sowie vier kleine eigene Videos unten dran.


Loading the player ...
Loading the player ...
Loading the player ...
Loading the player ...





ARTE - Machu Picchu, Neues aus der Inka-Stadt

Machu Picchu ("Alter Gipfel") ist eine in Peru gelegene Ruinenstadt der Inkas. Sie liegt etwa 2.400 Meter über dem Meeresspiegel auf einer abgeflachten Bergspitze in den Anden. Offiziell wurde die Stadt 1911 entdeckt, auch wenn schon ältere Aufzeichnungen über die Lage der Stadt existieren. Seitdem gibt es viele Spekulationen und Theorien über den ursprünglichen Zweck der Stadt und über die Gründe, warum sie von den Inkas aufgegeben wurde. "Machu Picchu, Neues aus der Inka-Stadt" beleuchtet die Geschichte der Ruinenstätte im Licht der jüngsten Erkenntnisse. Die Dokumentation zeigt Bilder der Ausgrabungsarbeiten und lässt Wissenschaftler zu Wort kommen. Neben 3D-Bildern der Fundstätte wird die erste Entdeckung dramaturgisch nachgestellt.

TV-Dokumentation, USA 2009, Arte-Erstausstrahlungstermin: Samstag, 11. Sep 2010, 20:14 Uhr

Quelle: Machu Picchu, Neues aus der Inka-Stadt

Loading the player ...
Hohe Qualität: 338 MB - Niedrige Qualität: 139 MB





3Sat - Sieger, Sagen, Sonnentempel - Die Neuentdeckung von Perus Vergangenheit

Tausende von Touristen fallen täglich über die Tempelfestung Machu Picchu, das Heiligtum der Inka, her. Dabei schaden sie der Anlage massiv. Warum konzentrieren sich die Besucher auf diese Ruinenstadt, wo es doch in ganz Peru einmalige Zeugnisse der Inkakultur gibt?

TV-Dokumentation, 3Sat-Ausstrahlungstermin: Sonntag, 26. Juni 2011, 20.15 Uhr

Quelle: Sieger, Sagen, Sonnentempel - Die Neuentdeckung von Perus Vergangenheit

Loading the player ...
Ausschnitt - Hohe Qualität: 101 MB - Niedrige Qualität: 55 MB





vorheriger Bericht nach oben Übersicht
Der gesamte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. © 2011 Maik Hanske - lowsix.de. Alle Rechte vorbehalten.
Impressum | Nutzungsbedingungen